Das Kloster St. Felix -  das Franziskanerkloster und die Klosterkirche sind ein bemerkenswertes Beispiel des Glaubens und der Unterstützung durch die Bevölkerung. Gelegen inmitten malerischer Landschaften, bieten sie einen Ort des Gebets und der Besinnung. Die eindrucksvollen Deckenmalereien und der barocke Kirchenraum laden die Besucher ein, in meditativer Stille zur Ruhe zu kommen. Im Kloster leben die Franziskanerbrüder nach den Prinzipien des heiligen Franziskus.

 

Weihnachtsinterview mit P. Stanislaus Nsubuga

Weihnachtsinterview mit P. Stanislaus Nsubuga am 19.12.2025 (von Christine Schindler)

 

Lieber Pater Stanislaus, du bist jetzt schon seit zwei Monaten wieder zurück aus Uganda hier in Neustadt. Gibt es so Kleinigkeiten, die das Ankommen - eigentlich ist es ja auch ein bisschen ein Heimkommen - hier in der Oberpfalz erleichtert haben?

 

Die Kirche, die Menschen – viele habe ich wiedererkannt. Neustadt hat sich auch nicht wesentlich verändert, seitdem ich das letzte Mal da war. Die Menschen sind geblieben, die Kirche ist mittlerweile schöner und trotzdem immer noch vertraut. Von daher war es eigentlich kein Problem zurückzukommen. Es war auch mein Wunsch, wenn ich Uganda verlasse, wieder nach Neustadt zu gehen – und dieser Wunsch ist schließlich auch in Erfüllung gegangen.

 

Und das freut auch die Menschen hier in der Oberpfalz. Du warst jedes Jahr in deinem Urlaub auch hier bei uns und so blieben viele Kontakte bestehen und lebendig und wie ich es in den Gottesdiensten die Du hältst sehen kann, gehen die Menschen nach wie vor auf Dich zu, suchen Deine Nähe und freuen sich einfach, Dich wieder hier zu haben.

Wenn Du jetzt mit ein bisschen Abstand zurückdenkst an die Zeit in Uganda welche Erlebnisse kommen Dir da in den Sinn, die Dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, die Du niemals vergessen wirst?

 

Neun Jahre sind eine lange Zeit und da gibt es sehr viel, an das ich mich immer erinnern werde. Ich war gerne dort und war mir zeitweise nicht sicher, wo meine „erste Heimat“ ist. Ich habe mich wohl gefühlt und auch mit den Menschen kam ich klar, und die Menschen, glaube ich, auch mit mir. Und das sorgt einfach für ein gutes Gefühl. Es war gut dort zu sein, nicht weil man gebraucht wurde, sondern weil man dazu gehörte und einer von den Menschen dort war. Ich wollte nie als Priester über den Menschen dort stehen, sondern mit ihnen leben, ihre Freude, ihre Trauer, die alltäglichen Dinge teilen. Und das haben die Menschen sehr gut verstanden, besser als die Menschen in Europa manchmal. Ich wurde integriert, fühlte, dass ich dazu gehörte -und das eigentlich die ganzen neun Jahre lang. Es war eine gute, eine schöne Zeit! Es gab immer wieder Schwierigkeiten, das ist klar und selbstverständlich, aber alles in allem, habe mich wohl gefühlt und habe viele gute und schöne Erinnerungen an meine Zeit in Uganda.

 

Dass die Menschen in Uganda Dich schätzen und ins Herz geschlossen haben, glaube ich sofort. Uns hier in Neustadt geht es ja genauso. Wir haben in den neuen Jahren immer versucht vor allem über die sozialen Medien mit Dir in Kontakt zu bleiben. Das werden die Menschen in Uganda jetzt hoffentlich auch tun. Du bekommst wahrscheinlich täglich – oder sogar stündlich – Nachrichten und Grüße aus Uganda, oder?

 

Ja schon, zum einen gibt es viele persönliche Kontakte, Freundschaften, die in der langen Zeit dort entstanden sind, aber auch offizielle Kontakte – vor allem zu meinem Nachfolger als Guardian in Kakooge, und auch zu den Schulen, in denen die Patenkinder untergebracht sind.

Viele Kinder und Jugendliche habe ich in der Zeit ihres „Erwachsen Werdens“ begleitet – sie nennen mich „Father“ und in gewisser Weise habe ich auch eine Art Vaterfigur für sie eingenommen. Dazu muss man wissen, dass in Uganda viele Kinder ohne Vater aufwachsen, und so ist für viele die „Vaterrolle“ unbesetzt und sie waren froh, jemanden zu haben, der zumindest ein bisschen, diese Rolle in ihrem jungen Leben eingenommen hat. Sie haben mir ihr Vertrauen entgegengebracht, auf ihre ganz natürliche, ursprüngliche Weise. Die Menschen dort leben miteinander, brauchen einander, teilen miteinander – und ich war einfach einer von ihnen.

 

Und die Menschen in Uganda werden Dich vermissen, so wie auch wir Dich vermisst haben, als Du nach Afrika gegangen bist. Könnt ihr denn problemlos in Kontakt bleiben? 

 

Das geht, dank der sozialen Medien, meist recht gut – vor allem über WhatsApp. Zugang zum Internet gibt es in Uganda, allerdings nicht kostenlos wie zum Teil hier bei uns. Aber für Textnachrichten gebt es besondere Tarife und man kann zum Beispiel für umgerechnet etwa 5 Cent eine Stunde chatten. Und das ist auch für die Jugendlichen irgendwie machbar. 

 

Kann man Uganda denn mittlerweile als christliches Land bezeichnen?

 

In Uganda gibt es zirka 80% Christen, allerdings ist das Spektrum sehr weit: es gibt Katholiken, Anglikaner, aber auch verschiedene kleinere christliche Sekten. Der Rest sind Angehörige des Islams und Menschen, die den Naturreligionen zugewandt sind.

 

Und das bevorstehende Weihnachtsfest? Freuen sich die Leute in Uganda – vor allem die Kinder - auch schon so darauf, wie wir hier in Europa?

 

Natürlich ist Weihnachten auch dort ein schönes Fest, aber es ragt nur ein klein wenig aus dem Lebensalltag der Menschen heraus. Die findet eigentlich nur in der Kirche statt, aber zuhause geht das ganz normale Leben unmittelbar weiter, weil einfach die Armut zu groß ist und sich die Menschen kein tolles Weihnachtsessen oder gar Weihnachtsgeschenke leisten können. Es war für mich in den ersten Jahren in Uganda so ungewohnt, dass man nach dem Weihnachtsgottesdienst aus der Kirche ging, und außerhalb des Gotteshauses das Leben einfach ganz normal weiterging, es wäre gar kein Weihnachten.

Und es gibt auch keinen zweiten Weihnachtsfeiertag so wie wir ihn kennen. Deshalb werden in Uganda alle Taufen, die im Advent anfallen würden, auf den zweiten Weihnachtsfeiertag gelegt. Das sind teilweise bis zu 400 Kinder, die getauft werden, aber so kommen auch an diesem Tag die Menschen nochmal in die Kirche.

 

Jetzt bist Du heuer nach neun Jahren an Weihnachten wieder hier in der Oberpfalz – und alles ist ganz anders … mit Adventskonzerten, Minibazar, Rorate, Christmette und Krippenspiel … Was sind Deine Pläne für dieses Weihnachtsfest? 

 

Momentan bin ich noch sehr mit dem Beichtdienst beschäftigt – ich vertrete P. Rafal, der noch bis kurz vor Weihnachten in Amerika ist – und dann an Weihnachten kommen eben die diversen Weihnachtsgottesdienst und die Feier mit der Klostergemeinschaft. Für uns Priester bedeutet Weihnachten vor allem auch Dienst – die Predigten für die Gottesdienste müssen vorbereitet werden. Aber ich möchte einfach Weihnachten feiern - mit den Menschen, für die Menschen. Und ich hoffe, dass es eine schöne, eine gute Zeit wird.

 

Wenn wir noch einen kleinen Blick in die Zukunft wagen: Du möchtest bestimmt auch in der Zukunft die schon bestehende Brücke nach Uganda aufrechterhalten oder sogar noch ausbauen. Was sind deine konkreten Pläne, um auch von hier aus den Menschen in Uganda zu helfen?

 

Vor allem möchte ich mich um die Patenschaften kümmern. Die Anzahl der Paten wird leider immer weniger, was aber normal ist, wenn man sich die Altersstruktur in Deutschland anschaut. Viele Paten sind mittlerweile alt oder krank und sind daher irgendwann nicht mehr fähig, die Patenschaften aufrecht zu erhalten. Außerdem haben wir die Patenschaften angefangen um den Kindern die Grundschule zu ermöglichen, also 7 Jahre Grundausbildung. Allerdings haben wir mittlerweile festgestellt, dass nur die Grundschule als Ausbildung einfach nicht reicht, und daher auch eine weiterbildende Schule für viele Kinder wichtig ist. Diese kostet aber im Vergleich zur Grundschule wesentlich mehr Geld. Und dann gibt es sogar noch ein paar Überflieger, die so gut in der Schule sind, dass man ihnen eigentlich das Studium ermöglichen müsste. Das sind allerdings nur ganz wenige. Und daher hoffe ich eben dass ich von der Oberpfälzer Bevölkerung genügend Unterstützung bekomme und diese Kinder noch weiter und noch besser zu fördern.

 

Zum anderen hatte ich schon in Uganda einen speziellen Fonds, den ich dazu benutzte Menschen, die besonders krank oder bedürftig sind, schnell und unbürokratisch zu helfen. Einfach für Menschen, die durch alle sozialen Raster fallen, weil sie kein Geld, keine Familie keinerlei Rückhalt haben. Dazu muss man wissen, dass es in Uganda weder Kranken- noch Sozialversicherungen gibt, welche die Menschen in solchen Notlagen auffangen würden. Daher hoffe ich, dass mir die Menschen hier genug Geld zur Verfügung stellen, dass ich dieses Projekt auch weiter betreiben kann von hier aus.

 

Hast Du denn jetzt vor das nächste Jahr auf jeden Fall nach Uganda zu reisen? Gibt es da schon Pläne?

 

Ja die gibt es tatsächlich - sogar ganz offizielle! Die Uganda Mission wird im nächsten Jahr 25 Jahre alt und dazu gibt es ein Fest, zu dem ich auch eingeladen bin. Schließlich bin ich ja ein bisschen so etwas wie der Gründungsvater diese Mission. Aber ich hoffe, es gibt sich auch noch die eine oder andere Möglichkeit im nächsten Jahr nach Uganda zu reisen.

Aber ich möchte auch von hier aus versuchen den Menschen in Uganda in konkreten Notsituationen zu helfen. Schließlich ist das auch die Pflicht eines jeden Christen: wenn er eine Not sieht und die Möglichkeit hat zu helfen, dann wäre es eine Sünde es nicht zu tun.

 

Und die Menschen in der Oberpfalz helfen dir und den Menschen in Uganda immer gerne. So war es schon immer. Schließlich wissen sie in dem Fall, wo ihr Geld hinkommt, weil sie dir vertrauen und wissen, dass du mit dem Geld einfach Gutes tust und den Menschen hilfst.

Und jetzt komme ich auch schon zu meiner letzten Frage: das alte Jahr ist fast vorüber, das neue Jahr wird bald beginnen. Was sind deine drei größten Wünsche, die du an das neue Jahr 2026 hast?

 

Wünsche gäb es viele – aber die wichtigsten …

Ich bin jetzt doch schon ein bisschen älter und spüre immer deutlicher meine gesundheitlichen Grenzen: meine Augen, meine Beine machen wir doch immer mehr zu schaffen. Daher wünsche ich mir vor allem genügend Gesundheit und Kraft, um meine Arbeit noch möglichst lange weiterzumachen.

Auch würde ich gerne noch das Leben möglichst lang genießen und die Natur in der Oberpfalz in all seinen Facetten (ich würde mich so über Schnee freuen und freue mich aber auch jetzt schon auf den Frühling, wenn alles wieder grünt und sprießt). In Uganda gibt es ja keine Jahreszeiten, und die Pflanzen sind das ganze Jahr grün und es ist immer warm. Und diese Freude würde ich gerne mit den Menschen hier teilen.

Schließlich auf jeden Fall auch noch, dass die Hilfe für Uganda bestehen bleibt. Vor allem die Menschen im ländlichen Kakooge liegen mir sehr am Herzen, gerade sie brauchen unsere Hilfe, weil diese Pfarrei mit Abstand die ärmste ist von allen Niederlassungen, die wir Franziskaner in Uganda unterhalten. 

 

Ich bedanke mich ganz herzlich für deine Zeit und deine ehrlichen Worte und schließe noch ganz spontan 3 Wünsche für dich an: 

Ich wünsche dir vor allem viel Gesundheit - ich kenne dich als sportlichen, aktiven Menschen, der mit seinem Mountainbike die Hügel der Oberpfalz auf und ab geradelt ist … Und ich hoffe sehr, dass du noch möglichst lange und aktiv die schöne Natur in der Oberpfalz genießen kannst. 

Auch wünsche ich dir von Herzen, dass du dich in der Oberpfalz wieder wohl fühlst unter den Menschen, die dich schätzen, dich mögen und dich in ihr Herz geschlossen haben.

Und natürlich auch das die Brücke zwischen Neustadt und Uganda, vor allem Kakooge, bestehen bleibt, stabiler und fester wird und du auch von hier aus noch ganz vielen Menschen helfen und sie glücklich machen kannst.

 

 

 

 

 

 

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