Pater Stanislaus Strojecki, in Uganda liebevoll Nsubuga genannt, verbringt nach neun Jahren in Afrika seinen Ruhestand im Kloster St. Felix. Ein vierteljahrhundert Brückenschlag von St. Felix in Neustadt nach Uganda – Pater Stanislaus erzählt

Seit 25 Jahren gibt es die Ugandamission der Krakauer Franziskaner-Minoriten. Pater Stanislaus Strojecki ist ein Mann der ersten Stunde. Zurück in der Oberpfalz, wo er nun seinen Ruhestand verbringt, erzählt er die spannende Geschichte, wie er im stattlichen Alter von fast 64 Jahren schließlich doch noch seinen bereits aufgegebenen Lebenstraum als Missionar verwirklichen durfte.
Es war schon immer der Wunsch von Pater Stanislaus, in die Mission zu gehen. Bei seinem Eintritt bei den Krakauer Franziskaner-Minoriten wurde ihm das auch zugesagt. Als sich der Orden 1995 für die Errichtung einer neuen Missionsstation entschied, meldete sich der Ordensmann als einziger Freiwilliger. Er flog auch gleich nach Uganda und sah sich seine künftige Arbeitsstelle schon einmal an.
Der liebe Gott hatte aber andere Pläne mit ihm. Die rund 500 Mitbrüder wählten ihn überraschend zu ihrem Provinzialminister. Und nach vier Jahren bestätigten sie ihn in seinem Amt als Ordenschef. Doch Stanislaus nahm die Wiederwahl nicht an. Damit stand der Weg nach Uganda offen, dachte er jedenfalls.
Doch wieder kam es anders. Sein Nachfolger schickte ihn statt nach Afrika in die Oberpfalz. Auf Bitten der deutschen Minoriten, die sich wegen akuten Personalmangels nach 75 Jahren aus Neustadt/WN zurückzogen, übernahmen die polnischen Mitbrüder im Jahr 2000 das Kloster St. Felix. Diesen Wechsel hatte Pater Stanislaus als Oberer in Krakau noch mitbegleitet und so entscheidend die Weichen gestellt, dass Kloster und Wallfahrtskirche St. Felix heute nicht leer stehen.
Als Trostpflaster wurde dem schwer enttäuschten Stanislaus nebenbei die Sorge für den Aufbau der Missionsstation in Uganda übertragen. Von Neustadt aus sammelte der Guardian nun fleißig Geld für die erste Filiale, die in Kakooge entstand, 90 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Kampala in der jungen Diözese Kasana-Luweero. „Schon Weihnachten 2001 bezogen drei Patres das noch nicht ganz fertiggestellte Kloster“, erinnert sich Stanislaus.
Die Hilfe „St. Felix für Uganda“ etablierte sich. Ein Ugandakreis organisiert alljährlich im Sommer das Ugandafest im Klosterhof. Der gesamte Erlös fließt nach Afrika. Ein Glücksfall war die Familie Winkler in Parkstein, mit deren Hilfe 2008 eine Krankenstation und 2010 eine Mädchen-Realschule gebaut werden konnten. Grundschule und Berufszentrum vervollständigen das Angebot.
Herzstück der Ugandahilfe sind die Schulpatenschaften. Zurzeit sind es 130 Gönner – Familien, Einzelpersonen, Schulen, Vereine – aus dem Raum Neustadt-Weiden, die die Ausbildung Heranwachsender finanzieren und ihnen so die Möglichkeit bieten, Arbeit zu finden. Außerdem bekommen sie täglich eine warme Mahlzeit. Uganda gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die ersten Paten war übrigens die Buben und Mädchen der Grundschule Neustadt, die ihr Taschengeld für Kinder in Kakooge geopfert haben.
Schule in Kakooge :Lernen unter einfachen Bedingungen, aber mit großer Freude.
Für Handynutzer entsteht hier systembedingt eine Lücke.

Schon bald kamen Stationen in Matugga und Munyonyo dazu. Jahr für Jahr jettete Pater Stanislaus nach Uganda und überzeugte sich vom Gedeihen der Missionsstationen, vor allem auch von den vielen Berufungen, so dass sich inzwischen an jedem Standort zwei polnische und zwei ugandische Minoriten die Arbeit teilen.
Zu seinem 60. Geburtstag 2012 hatte sich der Pole von seinem Traum, Missionar zu werden, längst verabschiedet. Und wieder kam es anders. 2016 wurde Marian Golab zum neuen Provinzial gewählt. Er war zuvor acht Jahre in Uganda und bat Stanislaus, jetzt seinen Platz einzunehmen. Beinahe im Rentenalter tauschte er die schwarze mit der grauen Missionskutte.
Von seinen zahlreichen Besuchen in Uganda wusste der spät Gerufene, was auf ihn zukommt. Als er dann im September nach Afrika aufbrach, kam Pater Stanislaus nicht als Fremder. Er hatte sich dort längst einen Namen gemacht; die Einheimischen riefen ihn überall freundschaftlich „Nsubuga“ (der Starke, der Mutige). Er wusste, was die Menschen in Afrika brauchen: keine Aushilfe aus Deutschland, die Wohlstand predigen, sondern Seelsorger, die als lebendiges Zeichen der christlichen Solidarität mit ihnen ihr Leben, ihre Armut teilen, wie es Ordensgründer Franz von Assisi vorgelebt hat.
So beließ es der Pole, dem auch Malaria und Typhus zusetzten, nicht bei der Verkündigung der Frohen Botschaft in den Gottesdiensten, er lebte diese auch. In seiner warmherzigen Art knüpfte er viele menschlichen Beziehungen, mit seiner franziskanischen Lebensfreude wurde er überall freundlich und vertrauensvoll aufgenommen. Er half, wo er konnte. Mit Geld aus der Oberpfalz finanzierte er Operationen, bezahlte Rechnungen für Medizin, sprang ein, wenn Familien die Miete nicht mehr bezahlen konnten, und, und, und.
Eine große Herausforderung war der monatelange Lockdown während der Covid-19-Pandemie. Nach einem Hilferuf von Pater Stanislaus aus Uganda erbrachte eine Spendenaktion im Raum Neustadt/Weiden binnen kürzester Zeit 25 000 Euro. Das Geld kam in erster Linie kinderreichen Familien zugute.
Zum Glück hatte der Missionar kurz vorher mit Mitteln aus Polen ein einfaches Sportzentrum anlegen lassen. Da auch die Schulen geschlossen hatten, waren die Kinder und Jugendlichen dankbar, dass sie hier täglich einen Treffpunkt hatten, wo sie sich austoben konnten. Die Fußballmannschaften kickten in Sportkleidung und mit Bällen der DJK Neustadt und waren stolz wie Oskar.

Fußball steht in Uganda hoch im Kurs. Pater Stanislaus freut sich mit den Siegern eines Fußballturniers.
Als Pater Stanislaus jetzt im Oktober nach neun Jahren in Uganda die Zelte abbrach, flossen viele Tränen. Aber schon bald gibt es ein Wiedersehen: Der Orden feiert in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen der Ugandamission. Und Pater Stanislaus ist natürlich als „Gründungsvater“ eingeladen.
Die zweite Niederlassung in der schnell wachsenden Stadt Matugga ist 10 Kilometer von der Hauptstadt Kampala und 80 Kilometer von Kakooge entfernt. Zur Pfarrei gehören Kirche, Kloster, Grundschule und Krankenstation. Der zuständige ugandische Bischof hatte die Minoriten gebeten, nach Matugga zu kommen, weil hier 40 Hexenzauberer ihr Unwesen trieben. Inzwischen gibt es jährlich Hunderte Hochzeiten und Tausende Taufen.
Die jüngste Station ist Munyonyo/Kampala, direkt am Viktoriasee. Sie beherbergt auch ein Kloster mit Studienhaus, das derzeit mit 30 Studierenden voll besetzt ist, und eine sehr große, mehreren Märtyrern geweihte Wallfahrtskirche. Munyonyo gilt als nationales Zentrum für göttliche Barmherzigkeit.
Inzwischen sind die polnischen Minoriten dabei, einen vierten Standort zu eröffnen. Er entsteht am Rande der 150 000-Einwohner-Stadt Gulu im Norden des Landes. Hier werden die Missionare eine Pfarrei betreuen und eine Marienwallfahrt mit einem Angebot für Exerzitien begleiten. Auch an ein Bildungshaus für die Ordensmitbrüder ist gedacht.
Die Franziskaner-Minoriten aus Krakau sind seit einem Vierteljahrhundert als Missionare in Uganda. Mit großer finanzieller Unterstützung aus dem Raum Neustadt-Weiden konnten unter anderem zwei Krankenhäuser und drei Schulen gebaut werden.
Auch für die neue Missionsstation in Gulu sind die Ordensleute auf Unterstützung aus der Oberpfalz angewiesen.

In Kakooge steht wohl die einzige Felixkirche in Afrika.

Die Kirchen in Uganda sind gesteckt voll. Bei Gottesdiensten gehören Singen und Tanzen dazu.
Spenden unter „Kloster St. Felix für Uganda“ bei den Vereinigten Sparkassen Eschenbach-Neustadt-Vohenstrauß, IBAN DE07 7535 1960 0300136645.
